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UAZ 452 Buchanka: Testfahrt im russischen Bulli Oldtimer? Nee, ein russischer Neuwagen

UAZ 452 Buchanka: Testfahrt im russischen Bulli Oldtimer? Nee, ein russischer Neuwagen

https://www.autobild.de/artikel/uaz-452-buchanka-testfahrt-im-russischen-bulli-14356467.html

UAZ 452 Buchanka: Testfahrt im russischen Bulli

Oldtimer? Nee, ein russischer Neuwagen

Seit 60 Jahren entsteht an der Wolga der UAZ Buchanka – der russische Bulli. Wir sind mit dem schrulligen Allradler auf Tuchfühlung gegangen.

D

ieses Automobil ist so schrullig, dass es selbst ein bisschen über sich lachen muss. Da steht der Bus also vor seinem Käufer und schmunzelt leise vor sich hin. Leuchtende Kulleraugen, das Gesicht leicht pausbäckig. Eine Karosse mit Kindchenschema. Franz Miller kann gar nicht anders als zurückzulächeln. Der Franz und der UAZ. Zwei neue Spielkumpanen haben sich gefunden. Der eine 50, der andere 60 Jahre alt. Beides liebenswerte Individualisten. “Ich bin jahrelang

VW Bus

gefahren”, sagt Franz. Jetzt wolle er es mal mit dem russischen Bulli probieren.”

Seit 1958 sorgt der UAZ für Durchkommen auf allen Wegen

Oldtimer als Neuwagen: Der UAZ Buchanka blickt bereits auf 60 Jahre Bauzeit zurück.

Der Bulli von der Wolga heißt offiziell UAZ 452. Drüben in Russland nennen sie ihn aber nur – halb liebevoll, halb respektlos – Buchanka. Was übersetzt so viel bedeutet wie Kastenbrot. Seit 1958 ist es das Grundnahrungsmittel für alle, die überallhin wollen. Ursprünglich fürs Militär entwickelt, stakst der hochbeinige UAZ bis heute durch Taiga und

Tundra

. Und manchmal auch durch bayerische Berge. Dort, in der Nähe von Rosenheim, wohnt Dimitri Schwab. Er verkauft russische Autos und der fabrikneue

Oldtimer

ist dabei sein bester Werbeträger. Franz Miller hat sechs Monate auf seinen Bus gewartet. Fünf dauerte es, bis das Kastenbrot in Deutschland ankam. Und einen weiteren Monat brauchte Dimitri Schwab, um den Wagen fit für deutsche Ansprüche zu machen (die trotzdem nicht so hoch sein sollten). Schwab formuliert es so: “Die Russen liefern uns die Geometrie. Den Rest machen wir.” Und so sei es wie beim Bäcker: Jedes Kastenbrot ist irgendwie gleich und doch ein Einzelstück.

Die Ausstattung ist zweckmäßig und sehr mager

Wenig drin: UAZ-Fahrer sollten jeglichen Anspruch an Ausstattung schon beim Einstieg vergessen.

Hohlraumversiegelung, Türschlösser nachstellen, Kardanwelle und Kreuzgelenke überprüfen. Dimitri Schwab kennt sie alle, die neuralgischen Punkte des UAZ-Busses. Lässt sich aber alles regeln. “Es gibt da dieses Motto: Wenn’s nicht passt, dann nimm den Hammer und mach es passend.” Er brauche lediglich einen 17er-Schlüssel, einen 19er und eben diesen einen Hammer, um den ganzen Bus zu zerlegen, sagt Schwab. Ab 19.990 Euro verkauft der Deutsch-Russe den Russen. Und dieser Preis ist auch fast schon das Ende der Fahnenstange. “Die Liste mit Dingen, die es nicht gibt, ist lang.” Der Bus hat nicht acht, nicht sechs, nicht zwei, sondern gar keinen Airbag. Es ist wie dieser alte DDR-Witz: “Möchten Sie lieber kein ESP oder keine elektrischen Fensterheber?” Immerhin Servolenkung und ABS sind an Bord. Das hübsche Jubiläumsmodell kostet 22.990 Euro, kommt dafür aber auch mit allem Schnickschnack, den man sich so vorstellen kann – also vorstellen kann bei einem 60 Jahre alten Neuwagen: Schiebefenster an der Seite, Sitze aus wasserabweisender Teflonbeschichtung, Sitzheizung vorn und Differenzialsperre hinten.

Ganz zu schweigen von den neuen Türgriffen, den 16-Zoll-Felgen in Dachfarbe – und der Tatsache, dass es für Tür und Anlasser nur noch einen einzigen Schlüssel gibt. Heizung hat der Russe natürlich auch, zwei Kreisläufe sogar. Die warme Luft kommt aus einer Art Ofenrohr am Fußboden. Der 112-PS-Benziner mit Euro 6 (

Verbrauch

: rund 12 Liter) sitzt zwischen den beiden Vordersitzen, was hier auf Papier lauter klingt, als es in Wirklichkeit ist.

Auch die Fahrleistungen sind nicht wirklich zeitgemäß

Bescheiden: Der Buchanka schafft maximal 115 km/h, auf Landstraße, Wald und und Wiese fühlt er sich wohl.

Der UAZ fährt sogar erstaunlich leise. Wenn er denn fährt. Den ersten Gang einzulegen, ist eine Mischung aus Kraftakt und Fingerspitzengefühl. “Nach einer halben Stunde haben Sie sich dran gewöhnt”, sagt Verkäufer Schwab vom Beifahrersitz aus – und greift dann mal kurz in den Schaltprozess ein. Was besonders bei Gang Nummer 5 von Vorteil ist, weil der Schalthebel dann ohnehin ziemlich weit auf seiner Seite ist. Maximal sind 115 km/h drin. Allerdings fühlt sich das Kastenbrot auf Landstraßen und vor allem in Wald und Wiese deutlich wohler als auf Autobahnen. “Manch einer kauft sich den Bus zusätzlich zu seiner

G-Klasse

“, sagt Schwab. Als Auto für den Wald. Ein halber Meter Wasser? Kein Problem. 30 Grad Böschungswinkel? Ein Klacks. Geländegängiger ist wohl nur ein

Unimog

. Bis zu neun Passagiere haben Platz im fünf Meter langen UAZ. Wobei man „Platz” zumindest für den Fahrer in Tüddelchen setzen sollte. Der hockt noch näher an der Seitenscheibe als im

Land Rover Defender

.

Nicht jeder ist für den UAZ Buchanka geeignet

Erfordert viele Kompromisse: Wer einen Buchanka kaufen will, sollte ihn unbedingt vorher ausprobieren.

Aber sei’s drum, dieses Auto ist ein Abenteuer. Ein Survival-Fahrzeug, bei dem die Survival-Erfahrung nicht erst in der Sahara beginnt, sondern schon beim Losfahren in Wanne-Eickel. “Wer dieses Auto kauft, braucht Humor”, sagt Schwab. Die Regenrinne ist wie von Hand zurechtgedengelt, alle Ritzen hat Schwabs

Werkstatt

inzwischen von Hand versiegelt. “An diesem Auto ist alles ungefähr.” Jedem x-beliebigen Kunden würde er den UAZ-Bus daher nicht verkaufen, sagt Schwab. “Die Leute sehen Fotos vom Bus, finden den hübsch – und bestellen, ohne ihn gefahren zu sein.” Einen habe er mal nach drei Monaten zurückgenommen, weil Bus und Besitzer nicht miteinander klargekommen seien. “Der hatte deutsche Qualität zu russischen Preisen erwartet.” Schwab hat Kunden in ganz Deutschland. “Die Ostdeutschen kennen den noch aus DDR-Zeiten. Und die Westdeutschen mögen das Design.” Kann man ja auch verstehen. Die seitlichen Blinker sehen so putzig aus wie Schönheitsflecken. Die fein perforierte Deckenverkleidung aus grauem Kunststoff erinnert an die Autos unserer Kindheit. Und das digitale Kombiinstrument ist so übersichtlich wie die ganze Karosserie.

Wer solch ein Auto bestelle? “Lada kaufen Leute, die sparen wollen. Den Bus kaufen Leute aus Überzeugung”, sagt Schwab. Einer seiner Kunden sei ein Arzt vom Tegernsee. Andere sind Ingenieure. “Rund 60 bis 70 Prozent rüsten den Bus zu einem Campingmobil um.” Auch Franz und seine Frau Monika haben das vor. Schwab importiert die UAZ-Busse direkt nach Europa. Hier bekommen sie eine EU-Zulassung und anschließend beim TÜV in Deutschland die technische Abnahme und deutsche Papiere. “Jedes Mal, wenn ich dort auftauche, gibt es Schaulustige. Die Leute gratulieren mir dann zu der gelungenen Restaurierung.” Dann lacht der Autohändler. Und sein Bus kichert ein bisschen mit.

Technische Daten UAZ 452 Buchanka

 • Motor:

Vierzylinder

, vorn quer, 2 Ventile pro Zylinder • Hubraum: 2693 cm³ • Leistung: 82 kW (112 PS) bei 4250/min • max. Drehmoment: 198 Nm bei 2500/min • Antrieb: zuschaltbarer

Allradantrieb

mit Untersetzung, 5-Gang manuell • Bremsen: ABS, vorn Scheiben, hinten Trommeln • Länge/Breite/Höhe: 4963/1940/2064 mm • Leergewicht: 2005 kg • Traglast: 875 kg • Vmax: 115 km/h • Verbrauch: 12,3 l/100 km (kombiniert) • Abgas CO2: 216 g/km, Euro 6 •

Preis

 ab 19.990 Euro.

Car News

via AUTO BILD – Tests und News zum Thema Auto https://www.autobild.de/rss/feedburner/rss_2149922.xml

December 6, 2018 at 12:45PM
https://i.auto-bild.de/ir_img/2/2/4/0/6/4/1/UAZ-Buchanka-560×373-76df325602b0b542.jpg

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